Jakobs Leiter

Nun schweigen Äholsharfen und Trompeten
und müde Engel schlurfen durch den Sand
Die Aufschrift mahnt: Verboten, diese Leiter zu betreten
es haften Eltern für ihr Kind, für Volk und Vaterland.
Da sitzt der Jakob trüb in seinem Brombeerbusch
und wartet hoffnungslos auf goldnes Licht
auf einen dünnen Strahl, auf einen Tusch
doch dieses göttliche Signal erscheint ihm nicht.
Es ist die Leiter oberhalb zerfressen
der Holzwurm nagt, was stolz war, muss vergeh`n
was biblisch war, ist lange schon vergessen
und die Parabel ist nur linguistisch zu versteh`n
Der Jakob schläft, der Lärm kommt immer näher
ist das nun Esau, ist das Ende nah ?
Es warnt uns Menschen nicht Instinkt noch Eichelhäher
Nur noch die Tagesschau, und die Sirene, hier und da
Der Jakob gähnt und schließt nochmal die Augen
dann geht er langsam, gramgebeugt hinfort
Für das verschmutzte Federkleid der Engel gibt es Laugen
Die Welt bleibt schemenhaft zurück, an diesem Ort.

Blaue Kanne und Zitrone

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Horizonte

Dort in der Ferne zeigt sich weit
zwar wenig tief, doch dafür breit
die Welt als Strich vor`m tiefen Blau
(bei Nacht bleibt dieser ungenau.)
Dann kann nur, wenn der Mond sich senkt
und Sonnenlicht nach unten lenkt
der Strich, ganz filigran und vag`
gesehen werden, wie am Tag
Doch sogar gänzlich unbesehen
weiß man um dieses Rands Bestehen
weil ja die Erde, rund und rar
zu Teilen immer unsichtbar.
Dort wo das Sichtbare sich trennt
vom Unsichtbar`n am Firmament
da geht`s zwar weiter, unter`m Strich
jedoch, herrjeh, man sieht es nich`.
Man sieht nur dieses Liniendings
das sanft sich biegt, von rechts nach links…
Und weil der Mensch nicht einen Rest
des Lebens unbenamt sein lässt
blieb auch die Linie nicht verschont
und heißt seitdem: der Horizont!
Er ist mal hart, er ist mal weich
verschiebt sich oft, von jetzt auf gleich
und bleibt, trotz Wechselhaftigkeit
dem Menschen wichtig zum Geleit
er schaut der Sonne nach, bis spät
am Horizont sie untergeht

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Das Ding

Es lag, am Stamme einer Zeder
ein Ding, das dort nicht hingehört
Warum es fremd war, ahnt ein jeder
Die Zeder – hat es nicht gestört.

Es lag, am Stamme einer Zeder
Ein Ding, das dort nicht heimisch ist
Es war nicht „oder“, noch „entweder“
Und fragt auch nicht, wer Du wohl bist.

Es lag, am Stamme einer Zeder
Ein Ding von höchster Eigenart
War nicht von Pappe, nicht aus Leder
Und trotzte meiner Gegenwart.

Es lag, am Stamme einer Zeder
In deren Ast ein Rabe saß
Nur eine kleine, schwarze Feder
Und wiegte sich ganz sanft im Gras.

Ich suchte nicht den Reim auf Feder
Es war die Feder, die mich fand
Gleich wie an einem Zug die Räder
Trug sie mich fort ins Unbekannt.

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I máchi teleíose allá min lypásai, Joachim

Die Schlacht ist geschlagen,
doch sei nicht traurig, Joachim
Du bist ja nicht der Erste,
der Mazedonien unterschätzt.
Das tat schon Dareius, der Perser
in der Schlacht bei Issus.
Und glaub mir, 333 war übler
als ein 2 : 1.
Immerhin beklagst Du keine Toten
und auch deine Frau
ist nicht gefangen.
Verwundet sind nur
die Seelen.
Allein:
von den Azoren bis Zypern
schaut man ratlos
und nicht ohne Häme
auf dein geschlagenes Heer.
Und die vielen Feldherren
in der Heimat
wollen deinen Kopf.
Der Löw ist der König der Wüste.
Sieht so aus, als muss er zurück.


Die Belagerung
Die Belagerung / http://www.kunstblaetter.de
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Entschuldigen Sie bitte, mein Herr

Entschuldigen Sie bitte, mein Herr
für mein störendes, ungeduldiges Fragen
nur, ich bitte, ich bitte Sie – WER
wüsste mehr, von Großwetterlagen ?
Da sind Sie doch Spezialist ?
Das hört man von überall her
und die Unsicherheit, ja die ist
für mich, unter den Umständen, schwer.
Wir müssen schon Manches ertragen
Die Stürme, die Dürre, ja und…
ach, man könnte stundenlang klagen
denn für alles, gibt`s (beinah) einen Grund
Auch für die verschiedene Löcher
das Ozon- und das Sommerloch
die Abgase, noch und nöcher
oder den Kuhdung, den man immer schon roch
Überall gibt es nun Katastrophen
der Vulkan bricht aus (wenn man ihn hat)
man hört Düstres, von Philosophen
und Langeweile hängt über der Stadt
Und der Spatz pfeift es schon vom Dach
ja, man flüstert es hinter der Hand
dabei nicht nur Leute vom Fach:
es wird – jambisch – im ganzen Land
Nun frage ich noch einmal, Bitte…
macht die Großwetterlage Sie froh ?
weil sie -jambisch- an Rand oder Mitte
oder woanders, oder nicht, oder so ?
Ich muss Ihnen ehrlich gestehen
ich wusste vom Wetter wenig
hab dann Tagesschau angesehen
und es geht mir noch immer – ähnlich.
Doch ich weiß was ein Tief ist, ein Hoch
ich kenne bereits die Azoren
Isobaren, die waren da noch
nur hab ich die aus den Augen verloren.
Aber: jambische Großwetterlagen
im verquasten Tiefsinngebiet
da muss ich, tja, da muss ich Sie fragen.
Das weiß ich partout nicht. Schiet.
Wie wär ein trochäischer Sturm
oder schlimmer: die Anapest
weint Novalis dann in seinem Turm
der Paradiesvogel in seinem Nest ?
Was wäre daktylisches Wetter
macht das überhaupt einen Sinn
wer wäre, der Welt, ihr Retter
Red Adair oder Ho Tschi Minh ?
Ließ die Not sich mit Reimen lösen
wär der Pentameter der Brandwehr Ersatz
Herr, erlöse uns von dem Bösen
und vom alexandrinischen Satz.
Entschuldigen Sie bitte, mein Herr
für die Flut, die Flut meiner Worte
ich weiß ja schon selbst nicht mehr
wer ich bin, hier am jambischen Orte.
Sie haben die Lösung parat,
das seh ich, an ihrem Lächeln
doch es sind heute 40 Grad
und statt jamben hilft mir nur fächeln.
Ich danke für Ihre Geduld
und trolle mich müde nach Hause
ich les grade „Sühne und Schuld“
auf dass, der Affe, mich lause.
Da ist, unter uns, wenig jambisch
auch die Großwetterlage nicht
ich bin, karacho, karambisch
vom Gemüt her ja eher schlicht.
Und so bleibt das Wissen bei Ihnen
ich geh weiterhin dumm durch den Tag
und doch hat es mir geschienen
dass ich bei Ihnen richtig lag.
Eines Tages, an anderen Plätzen
da erklär`n Sie mir, gottverdammt
mit ein paar – verständlichen – Sätzen
was es heißt, wenn das Großwetter jambt.

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Gott und die Früchte

Ein Obstkorb stand leuchtend im Abendschimmer
herrlich bunt auf dem Esstisch im Speisezimmer
es glänzte die Haut von Apfel und Pflaume
herrlich süß rochen die Früchte vom Kirschenbaume
so verlockend leuchteten Birnen und Trauben
wie der Garten Eden (im rechten Glauben!)
Man sah den Pfirsich die Blätter falten
und beten: so konnte nur Gott uns gestalten
der Herr gab uns Form, Geruch und Geschmack –
da sagte die Beere: geh uns nicht auf den Sack!
Hör doch auf mit deinem Gelaber von Gott
am Ende sind wir alle nur Matsch und Kompott
wer interssiert sich wohl für deine samtene Haut
Du wird gepflückt, gemampft und verdaut
Vielleicht wirst Du Aroma eines süßen Likörs
Aber Gott ? Kannst Du vollständig streichen. Ich schwörs.
Auch wir Beeren sind, und glaub mir, das graust mich
im Grunde nicht mehr als ein Waldfrüchteaufstrich
und am Ende zermatscht nur, zerdrückt und faltig
ein Auswurf der menschlichen Peristaltik
Da antwortete hochwohl geboren der Pfirsich
meine liebe Beere, ich glaube, Du irrs´ dich
Der Herr gab uns Vielfalt, Aroma und Süße:
jetzt krieche zum Knoblauch. Geh, Beere, und büße!
Da schmissen die anderen Beeren mit Nüssen
und riefen: Dir haben sie ins Gehirn geschissen
Du bist kein Prophet, Du bist nur ein Pfirsich
und nichts als ein marmeladenaffines Irrlicht.
Auch die Mirabelle, obwohl dem Pfirsich verwandt
sagte: Gott ist mir vollständig unbekannt
Ich glaube an Darwin und Nietzsche und kaum
an einen Gott der Gemüse – unser Schöpfer heißt Baum
Die Zitronen riefen, und auch die Limetten
Du blöder Pfirsich bist doch nicht zu retten
und schmiert dich erst einer aufs Frühstücksbrot
wirst Du jämmerlich winseln: Gott ist tot.
Da kam schnellen Schritts, alarmiert vom Geschrei
die Hausfrau flink aus der Küche herbei
Sie warf alle Früchte – in einen Mixer
wählte Mixstufe III, die ging etwas fixer
und zermatschte die ganze Früchtepartei
(zur Exotik war auch noch eine Banane dabei)
noch etwas vom Joghurt und vom Vanilleeis
dann wurde es leis….
In die Grabesruhe rief sie, Kevin und Susi
kommt in die Küche, ich hab einen Smoothie
und kaum hörbar murmelte es aus dem Pott
Gott ist tott.

Moral:
Je nach Ort und Gesellschaft tut ein Disput
theologischer Fragen nicht immer gut
denn philosophischer Tiefgang ist nicht die Rettung
vor dem Schicksal menschlicher Nahrungsverkettung

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Der Geist der Reise

Blau.
So liegt es auf der Fensterbank. Die Seiten gewellt, vom Schweiß des Herrn.
Unaufdringlich, vornehm. Eine sanfte Frage.
Kaum Blau,
und doch
Blau.

Katz bis Vuitton. Der Geist der Reise.
Gib dich
geschlagen,
gegen die Zeit.

Strick mir ein Bild, zweckfrei.
Blau.
Wohin das Auge reicht.

Welcome on Instagram / www.kunstblaetter.de
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Seemannsgarn

Aus Seeannsgarnen macht man Knoten
die löst erst Alexander auf
er nimmt das Schwert Eriks des Roten
und haut, mit Kraft und Verve – drauf.
Da löst das Schiff sich schnell vom Anker
das Seemansgarn, es hielt das Boot
am Boden fest, denn dort versank er
bewahrte es vor Sturm und Not
Nun treibt das Schiff zu Horizonten
der Anker bleibt im Hafenbett
Und dort, wo die Matrosen wohnten
treibt eine Lache Ankerfett
Ich kann nur einen einzjen Knoten
den mach ich mir, in meine Schuh
das Schiff hat Luken und auch Schoten
dahinter grast die Hochseekuh
Die Hochseekuh hat lange Haare
man spinnt daraus das Seemannsgarn
und Amsel, Drossel, Fink und Stare
sind nicht mehr, wo sie gestern war`n.

Schelde Richtung Breskens / www.kunstblaetter.de
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Hafenlied

Im Hafen von Rotter- und Amsterdam
oder Dordrecht und Amstelveen
da rottet ein toter Hamster am Damm
der kommt sicher aus Überseen.
Kam vielleicht aus Kalkutta oder Islamabad
als blindester Passagier
und liegt jetzt, wo man ihn gefunden hat
hier in Willemsoord auf dem Pier
Oder im Hafen von Rotter- und Amsterdam
das macht ja auch gar nichts aus
und woher nun genau dieser Hamster kam
das kriegt man auch nicht mehr raus
Er kam sicher per Schiff, diese Lösung liegt nah
einem Segelboot oder Kutter
und wer weiß schon, was vorher, zu Hause geschah
in Islamabad oder Kalkutta
Vielleicht war ja der Hamster das Leben dort leid
unter Heiden und Extremisten
und dachte sich – Holland – da lebt`s sich gescheit
zwischen Tulpen und Calvinisten.
Dann ging er an Bord, lag im Lagerraum
und hörte die Segel hissen
und Holland war fern, nur ein vager Traum
und vielleicht auch total beschissen
Sie legten in Amster- und Rotterdam an
und löschten Hering und Sprotten
dort fiel er um und da lag er dann
und begann sofort zu verrotten.
Ein Hamsterleben dauert meistens nicht lang
es sind ja auch kleine Seelen
drum sind Fernreisen ohne erkennbaren Zwang
für Hamster nicht zu empfehlen
Und auch Häfen wie Amster- und Rotterdam
sind ohne die Leichen schöner
die liegen nur rum und verrotten dann
wie in Islamabad der Döner
Die ganze Reise, vom Sinn befreit
am Ende ein toter Hamster
nur ein Seemannslied mehr von Liebe und Leid
im Hafen von Rotter- od Amster

Bis an den Horizont / www.kunstblaetter.de
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Blau

Die schönste Blaufärbung, wie es immer schien
ist Phthalocyanin – auch genannt Heliongrün
die findet man so – am Strand der Azoren
als Schmuckstein an mancherlei Damenohren
bei den Götterbildern der Inka und Maya
den Meteoriten im Sternbild der „Kassiopeia“.
– Skarabäenaugen im alten Ägypten
und den Urnen der Könige in gotischen Krypten.
Da leuchtets und funkelts wie tief in den Rillen
und Gräben des Ozeans (zum Beispiel des Stillen)
aber auch aus pazifisch- atlantischen Quellen
sorgt dieses Pigment für die Färbung der Wellen
Doch das Blau für die Kunst bleibt nicht Teil der Natur
es wird mühsam gewonnen; noch rein und pur
als Primärteil geboren, dann in Aggregaten
verbunden, vermählt in Agglomeraten
dann zermahlen, zermörsert – in Medien benetzt
und erst dann als Pigment auf Papier oder Leinwand gesetzt
wie auch Kobalt; Ultramarin-, oder Preussischblau
als Gleichnis des Himmels – im Kleid der heiligen Frau!
Phthalocyanin wird mühsam aus Türkisen gerieben
die im Mörser erst in Brocken, dann in Pulver zerstieben
dann nach dem Zerreiben; Zerspanen, Zerhacken
wieder neu gemischt werden, in Ölen und Lacken
So wertvoll wie einst Lapislazulisteine
wie Rubin und Smaragd; das Edle, Reine
Gold und Cyan bilden das Rad des Pfau
Darum nenn einen Schlumpf bitte niemals nur „blau“.

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