Der Geist der Reise

Blau.
So liegt es auf der Fensterbank. Die Seiten gewellt, vom Schweiß des Herrn.
Unaufdringlich, vornehm. Eine sanfte Frage.
Kaum Blau,
und doch
Blau.

Katz bis Vuitton. Der Geist der Reise.
Gib dich
geschlagen,
gegen die Zeit.

Strick mir ein Bild, zweckfrei.
Blau.
Wohin das Auge reicht.

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Seemannsgarn

Aus Seeannsgarnen macht man Knoten
die löst erst Alexander auf
er nimmt das Schwert Eriks des Roten
und haut, mit Kraft und Verve – drauf.
Da löst das Schiff sich schnell vom Anker
das Seemansgarn, es hielt das Boot
am Boden fest, denn dort versank er
bewahrte es vor Sturm und Not
Nun treibt das Schiff zu Horizonten
der Anker bleibt im Hafenbett
Und dort, wo die Matrosen wohnten
treibt eine Lache Ankerfett
Ich kann nur einen einzjen Knoten
den mach ich mir, in meine Schuh
das Schiff hat Luken und auch Schoten
dahinter grast die Hochseekuh
Die Hochseekuh hat lange Haare
man spinnt daraus das Seemannsgarn
und Amsel, Drossel, Fink und Stare
sind nicht mehr, wo sie gestern war`n.

Schelde Richtung Breskens / www.kunstblaetter.de
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Hafenlied

Im Hafen von Rotter- und Amsterdam
oder Dordrecht und Amstelveen
da rottet ein toter Hamster am Damm
der kommt sicher aus Überseen.
Kam vielleicht aus Kalkutta oder Islamabad
als blindester Passagier
und liegt jetzt, wo man ihn gefunden hat
hier in Willemsoord auf dem Pier
Oder im Hafen von Rotter- und Amsterdam
das macht ja auch gar nichts aus
und woher nun genau dieser Hamster kam
das kriegt man auch nicht mehr raus
Er kam sicher per Schiff, diese Lösung liegt nah
einem Segelboot oder Kutter
und wer weiß schon, was vorher, zu Hause geschah
in Islamabad oder Kalkutta
Vielleicht war ja der Hamster das Leben dort leid
unter Heiden und Extremisten
und dachte sich – Holland – da lebt`s sich gescheit
zwischen Tulpen und Calvinisten.
Dann ging er an Bord, lag im Lagerraum
und hörte die Segel hissen
und Holland war fern, nur ein vager Traum
und vielleicht auch total beschissen
Sie legten in Amster- und Rotterdam an
und löschten Hering und Sprotten
dort fiel er um und da lag er dann
und begann sofort zu verrotten.
Ein Hamsterleben dauert meistens nicht lang
es sind ja auch kleine Seelen
drum sind Fernreisen ohne erkennbaren Zwang
für Hamster nicht zu empfehlen
Und auch Häfen wie Amster- und Rotterdam
sind ohne die Leichen schöner
die liegen nur rum und verrotten dann
wie in Islamabad der Döner
Die ganze Reise, vom Sinn befreit
am Ende ein toter Hamster
nur ein Seemannslied mehr von Liebe und Leid
im Hafen von Rotter- od Amster

Bis an den Horizont / www.kunstblaetter.de
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Blau

Die schönste Blaufärbung, wie es immer schien
ist Phthalocyanin – auch genannt Heliongrün
die findet man so – am Strand der Azoren
als Schmuckstein an mancherlei Damenohren
bei den Götterbildern der Inka und Maya
den Meteoriten im Sternbild der „Kassiopeia“.
– Skarabäenaugen im alten Ägypten
und den Urnen der Könige in gotischen Krypten.
Da leuchtets und funkelts wie tief in den Rillen
und Gräben des Ozeans (zum Beispiel des Stillen)
aber auch aus pazifisch- atlantischen Quellen
sorgt dieses Pigment für die Färbung der Wellen
Doch das Blau für die Kunst bleibt nicht Teil der Natur
es wird mühsam gewonnen; noch rein und pur
als Primärteil geboren, dann in Aggregaten
verbunden, vermählt in Agglomeraten
dann zermahlen, zermörsert – in Medien benetzt
und erst dann als Pigment auf Papier oder Leinwand gesetzt
wie auch Kobalt; Ultramarin-, oder Preussischblau
als Gleichnis des Himmels – im Kleid der heiligen Frau!
Phthalocyanin wird mühsam aus Türkisen gerieben
die im Mörser erst in Brocken, dann in Pulver zerstieben
dann nach dem Zerreiben; Zerspanen, Zerhacken
wieder neu gemischt werden, in Ölen und Lacken
So wertvoll wie einst Lapislazulisteine
wie Rubin und Smaragd; das Edle, Reine
Gold und Cyan bilden das Rad des Pfau
Darum nenn einen Schlumpf bitte niemals nur „blau“.

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Wäre, wäre, Scheibenwischer

(oder die Verbeungung vor dem Konjunktiv)

Wäre das Weltall ein Scheibenwischer
so flöge der Mond hin und her
die Unendlichkeit wäre viel endlicher
und die Schwerkraft wäre doppelt so schwer.
Der Mars wär wahrscheinlich genauso rot
doch hätte er einen Schweif
und von der Kurbelbewegung im Sternbild „Chaot“
würden die Ringe Saturns langsam steif.
Da hülfe nur Öl um das Weltallgeschehen
im Fluss und am Laufen zu halten
und das göttliche Wischerblatt wär` im Handumdrehen
Ersatz der verschlissenen alten.

Denn wäre das Weltall ein Scheibenwischer
dann gäbe es reichlich zu wischen
blockierte etwa Sternstaub den Wärmemischer
begönne der mächtig zu zischen
Dann schösse Dampf aus dem Weltraumventil
und es käme zum Supergetöse
davon halten Gott (und auch Bosch) nicht viel
und sie schrauben das Blatt auf die Öse.
Und so wischt nun das Weltall von Tag zu Moment
all die pendelnden Sonnen und Sterne
es geht auf und nieder am Firmament
ja es taumelt, in weiter Ferne.

Aber auch die Erde flög hin und her
und wär sie am Saum, gings zurück
sodass manch einem ziemlich schwindelig wär
oder übel, mit fiebrigem Blick.
Die Meere würden an ihrem Rand
stets wie ein Tsunami schwappen
und es lehrt uns der gesunde Menschenverstand
das könnte, am Ende, nicht klappen
Dann wäre Petrus ein Ingenieur
nicht Apostel oder Papst oder Fischer
bis ans Ende der Zeit ging es hin und her….
doch zum Glück ist das Weltall kein Wischer.

Das Jahr ist nur ein halbes Alphabeth / www.kunstblaetter.de
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Verstrahlt

Ich fühl mich heut total verstrahlt
im Strahlenblitz bin ich erkahlt
und leuchte aus dem Innern
Der Strahlenblitz schoss aus dem Nichts
warf meinen Schatten, Kraft des Lichts
bis an die höchsten Zinnern
Verseuchte mich bis in den Kern
und fusionierte Nah und Fern
im Schmelzen von Atomen
verkohlte mir das Nasenhaar
(was nebenbei auch nötig war)
nun fehlen die Aromen.
Ich bin verstrahlt, verfault, verkohlt
und wenn mich einst der Teufel holt
in seine Schwefelhölle
dann macht in seinem Kessel nichts
von Wert und physischem Gewichts
auch nur die kleinste Welle.
Ich laufe durch die dunkle Nacht
bin`s selber, der sie heller macht
im Schein der Moleküle
ich bin nicht Fleisch, bin Energie
die schwindet, thermisch, nämlich nie
und freu mich auf die Kühle.
Ich fühl mich heut total verstrahlt
als Aura, die kein Maler malt
und warte, auf ein Zeichen
dass alles, was ich einmal war
bis auf besagtes Nasenhaar
gemacht war, um zu weichen.

Es ist nicht Nichts, was wir nicht sehn
die Seele wendet sich zum gehn
der Leib ist kompostierbar
Der Pfarrer wirft die Bibel fort
der Kompass weist nach Süd, nicht Nord
nichts weist drauf, dass man hier war.

Fähre nach Vlissingen + Borssele /www.kunstblaetter.de

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Fulgur Oleum

Fulgur Oleum

Schnell nähert sich des Pudels Kern
schon ist er nah, erst war er fern
gedenkt nicht, der Entstehung
Fulgur Oleum
Dort schießt heran das grelle Licht
schon ist es nah, erst war`s das nicht
im Tosen der Vergehung
Fulgur Oleum
Dort rollt und rauscht die große Flut
die Welle bricht, es stockt das Blut
der Kamm formt sich zur Drehung
Fulgur Oleum
Die Zeit verfliegt, sie läuft davon
es steigert sich das Ticken schon
im Geiste der Verwehung
Fulgur Oleum
Dort blitz es grell, dort schlägt es ein
dort wird, was war, gewesen sein
nicht mehr, als eine Blähung
Fulgur Oleum

Rotes Feld / www.kunstblaetter.de
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Flache Hügel

In Holland sind die Hügel flach
das ist ja auch kein Wunder
von weit schon, sieht man Haus und Dach
das Land gleicht einer Flunder
Nicht grundlos heißt es „Niederland
das sorgt für weite Sichten
denn karg ist auch der Baumbestand
von Eichen, Föhr- und Fichten.
Nur Pappeln stör`n am Feldesrand
den Schweif der Sicht erheblich
doch Hügel sucht – im ganzen Land
man sinnfrei und vergeblich.

In Holland sind die Hügel flach
das Skifahrn wird verhindert
im Winter frieren Strom und Bach
dann wird, statt des`, geschlindert.
Man schlindert die 11 Städte-Tour
und duckt sich unter Brücken
wer gerne rodelt, dem bleibt nur
sich südwärts zu verdrücken.
Den höchsten Berg im Niederland
nennt man dort einen Deich
er ist aus Stein nicht, ist aus Sand
und auf dem Gipfel: weich.
Da steht nicht Alm, nicht Gipfelkreuz
da stehen Fahrradständer
es dient dem Anstieg, beiderseits
ein rostiges Geländer
Wer je den Deich bestiegen hat
der fand nicht Eis noch Gletscher
der fand die See samt Strand und Watt
und wogendes Geplätscher.

In Holland sind die Hügel flach
und schwach ist nur die Neigung
und niemand rühmt sich, auf dem Dach
der schweren Erstbesteigung.
Drum suchst Du Gipfel, Schlucht und Klamm
bist Du schlecht aufgehoben
das Land ist platt, bis auf den Damm
und nirgends, geht`s nach oben.

Flache Hügel / http://www.kunstblaetter.de
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Linksdrehende schwarze Löcher

Der Weltraum entstand, durch einen einzigen Knall
(der hatte es ziemlich in sich)
schoss Energie durch das ganze All
ohne Anlass, also quasi intrinsisch.
Da flogen Ionen, Protonen und Co.
ballten sich zu Planeten und Sternen
die düsen noch immer inkognito –
irgendwo, meist in weiten Fernen.
Genauso wie Yoghurts und Ayran und Quarks
das sind ziemlich krude Gesellen
die suchen die Freiheit auf den Spuren Jeanne d`Arcs
an interstellaren Quellen
Da kommt nur die Enterprise manchmal längs
und dann winken Scotty und Spock
denn sie wissen, da brüten die Aliens
im thermodynamischen Smog.
Aber irgendwo, ganz allein im All
da dreht sich die blaue Murmel
Mit einem Mond, dem halbschattigen Ball
und Aliens namens Urmel.
Rotierende Ströme in Tiefen und Wüste
energiereiche schwarze Löcher
das Bermuda Dreieck, Pandorras Kiste
und der Strudel im Schierlingsbecher.
Phänomene, die bislang stets noch unerhellt
und durch Wissenschaft unergründet
– warum Toast auf die Seite mit der Butter fällt
– und stets nur eine Socke verschwindet.
Aber auch die Tatsache, dass sich das Licht
aus verschiedenen künstlichen Quellen
in Spiegeln spiegelt oder sogar bricht
um den Raum, noch mehr zu erhellen.
Aber ist das wahr, multipliziert sich die Kraft
der Helligkeit durch Wiederholung
oder bleib der Lux, wie die Lampe ihn schafft
rein Netto nur Kraft seiner Polung ?
Wird das Licht etwa lichter, durch Spiegelung
oder ist das nur optische Täuschung
bliebe es dunkler, bei Lichtbrechversiegelung
oder leiser ohne Echogeräuschung ?
Das versteht sicher nur ein Männchen vom Mars
die sind technisch ja deutlich weiter
und das Neongefunzel in nächtlichen Bars
macht mich leider nicht heller, nur beiter.
Ich fragte Herrn G., einen Ingenieur
was die Spieglung des Lichts erreiche
der sagte nur: ach, das ist alles nicht schwer
im Grunde bleibt es immer das Gleiche.
Ob Lux oder Lumen, Candela und Watt
gespiegelt sind wir selbst nur Chimäre
das gespiegelte Essen, macht dich nicht satt
alles gleich, wenn`s auch gern anders wäre.
Und dann noch zurück, zu den gurgelnden Strudeln
in denen die Welt verschwindet
den schwarzen Löchern, den brennenden Pudeln
und Zyklopen, die Odysseus erblindet
Die drehen sich um das eigene Nichts
weil ja doch alles in sich selbst verschwindet
und der Schatten des Strudels, wegen seines Gewichts
wurde schon durch Carnot verkündet.
Der keineswegs Geist nur der stets verneint
in den thermodynamischen Wehen
sondern ahnend, dass alles, so wie es scheint
auch wert ist zugrunde zu gehen
Alles strömt darum zentrisch zum Mittelpunkt
der Erde, wo Glutherde glimmen
noch ein letztes Mal wird SOS gefunkt
und dann, verstummen die Stimmen.
Und im letzten linksdrehenden schwarzen Loch
verschwinden auch diese Zeilen
ein letztes Mal zeigt sich der Strudel mir noch
um dann, gurgelnd, zu enteilen.

Lange Reihe von Wellenbrechern / www.kunstblaetter.de
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Durch die Sonne vereitelter Brief an M.

Die Sonne scheint mir ins Gesicht

ich schreibe, doch ich seh es nicht

ich höre meine Finger nur

die klappern, auf der Tastatur

Die Finger kreisen, schön, elliptisch

doch was sie schreiben? Fremd, und kryptisch…

Des Schreibers Ziele sind empathisch

der Text indes, bleibt enigmatisch.

Die Augen tränen von den Lux

arg luminös ist diese Krux

denn dreht man sich, von hint, nach vor

so reflektiert`s vom Monitor.

Wie ich`s auch wende oder dreh

die Blendung macht das Schreiben zäh

der Brief bleibt inhaltlich zurücks

das Licht, bleibt Kernpunkt dieses Stücks.

Drum wende ich mich tränenfeucht

vom Bildschirm fort, dieweil mir deucht

so wird nichts aus dem Almanach

ich klappe den Computer flach

Und schreibe später Dir erneut

vielleicht ja, wenn es draußen, schneut.

Weltzeit II / www.kunstblaetter.de
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