Am Arsch der Zeit

Am Arsch der Zeit, da lässts sich leben,
da gibts auch für Finanzbeamte Bier
da gibt es keine Stürme, keine Beben
da schwankt nur leis, ein Ruderboot am Pier.
Am Arsch der Zeit, da lässts sich träumen
da ist viel Platz für Strand und Seligkeit
da liegt man dösend unter alten Bäumen
und nuckelt an der Brust der Dunkelheit
Am Arsch der Zeit, das lässts sich schlafen
da braucht man ohne Grund nicht aufzustehn
und riecht am Dung, von 40.000 Schafen
die hat man einst gezählt, vorm Schlafengehn
Am Arsch der Zeit, stehn ein paar Häuser
die haben sicher besseres geseh`n
stat crux dum orbís volvitur, sagt der Kartäuser
doch die Ruinen bleiben dessen ungeachtet stehn
Am Arsch der Zeit, da lässts sich sterben
da flieht der letzte Furz zum Firmament
da kann man Glück und Müßiggang beerben
während die Erde hektisch weiterrennt
Am Arsch der Zeit, wird man begraben
da streckt man sich noch einmal selig aus
und summt ein Lied, wo andere sich angeschrieen haben
Am Arsch der Zeit, da ruft ein Frosch: Applaus

 

Die Nacht klein

Die Nacht

 

Veröffentlicht unter Allgemein | Kommentar hinterlassen

Reste

Es bleiben stets überall Reste
das gilt nach dem großen Brand
für gelung`ne und schlechte Feste
und selbst für die Uhr aus Sand
denn da krümeln nicht alle Körner
durch den dünnen gläsernen Schacht
dann bleiben auch Reste noch ferner
von der letzten durchzechten Nacht
die muss man mit Hering bekämpfen
von denen bleibt noch ein Grät
die Reste von Essensdämpfen
die kleben am Kochgerät.
Auf jedem verschmierten Teller
kleben Reste von Fisch und Fleisch
und die Reste von einem Propeller
machen beim Fliegen ein Scheissgeräusch.
Es kleben Reste in Bärten
es liegen Reste im Schlamm
Grünreste in den Gärten
und Kopfhautreste im Kamm
Wir selber verrotten zu Asche
das ist unser schäbiger Rest
also schnell noch den Rest aus der Flasche
bevor uns das Leben verlässt
Wir preisen die restlichen Reste
wer Reste hat, hat was gehabt
ein Prosit darauf ist das Beste
bevor ihr uns alle begrabt.
Dann bilden die Trauergäste
ein trauriges Defilee
sie stehen um unsere Reste
und dann geht es in das Café.
Und dort wird mächtig gekrümelt
und die Krümel sie liegen am Grund
während es unter dem Kaffeerest blümelt
und der andere Rest klebt am Mund
Ich hör auf, bevor ichs verpeste
von den Reimen bleibt nichts zurück
nur ein Fleck auf der weißen Weste
und vielleicht auch ein Quäntchen Glück
Der Rest ist ein Teil vom Ganzen
tausend Stückchen sind wieder Eins
drum lasst uns den Rest der Nacht tanzen
im Lichte des Restmondenscheins.

Still klein

 

Veröffentlicht unter Allgemein | Kommentar hinterlassen

Morgenandacht des Misantrophen

Es heißt ja nicht umsonst, der Morgen graut
da graut es einem selber, vor dem Morgen
da weht der Wind, und der hat eine Braut
und so hat denn ein jeder seine Sorgen.
Da fliegen frühe Vögel um den Giebel
und suchen einen gleichsam frühen Wurm
vom Fliegen und von Würmern wird mir übel
Der Morgen und die Windsbraut laufen Sturm.
Der Tag erwacht und wirft schon erste Schatten
weil ja die Sonne früh am Morgen tief noch steht
es schlurft sich schwer auf grauen Gehwegplatten
und dann ertönt mit Macht das erste Bohrgerät.
Der Tag beginnt und das urbane Leben
mit Autos, Baggern, Glocken, anderm Krach
ich muss mich mühsam, aus dem Bett erheben
ich atme, doch ich bin nicht wirklich wach.
Der Morgen graut, es graut mir vor dem Tage
die Haut ist grau, die Haare werdens auch
so blau der Himmel scheinen mag, ich sage
dahinter ist es grau wie kalter Schweinebauch.

Landschaft quer klein

Dämmerung

 

Veröffentlicht unter Allgemein | Kommentar hinterlassen

Hirndämmerung

Ich hab keine Ahnung, was ich dichten sollte
weil der Abend nicht wirklich zum dichten taugt
weil das Hirn, das eigentlich dichten wollte
völlig leer ist und ausgesaugt.
Weil die grauen Zellen heut noch grauer sind
grade so wie eine Maus in der Nacht
und auch sonst der Brägen, völlig mau und blind
nur das Allernötigste macht.
Zum Klo schicken, wenn man pinkeln muss
und zum Kühlschrank, wenn Hunger droht
ferner nichts. Nach dem Notfall ist Aus und Schluss
und Denken tut halt nicht Not.
Also denke ich nicht sondern schreibe nur
was mir einfällt bei schummrigem Licht
ich muss mich entscheiden zwischen Moll und Dur
und für beides entscheid` ich mich nicht.
Weil auch Stimmungen Energieen kosten
und die habe ich heute nicht
alles in meinem Kopf scheint grad zu verrosten
und darum ist auch in Kürze Schicht.
Kein nobelpreisverdächtiger Abgesang
keine Buchmessenpreismedaille
nur ein brummelnder mongolischer Kehlkopfgesang
und etwas mehr Speck um die Taille.
Der Tag geht zu Ende und das ist gut
denn er führt ja auch weiter zu nichts
Karl May schrieb Winnetou und den Schut
anstelle eines Gedichts.
Also muss auch ich keine Verse mehr schmieden
denn ein dummer Roman tät es auch
doch auch Indianer und Araber können ermüden
grade so wie ein voller Bauch.
Denn der Volksmund weiß, dieser denkt nicht gern
und ein voller Bauch dichtet auch nicht
nur der Schließmuskel dichtet, darum preiset den Herrn
und löscht danach dankbar das Licht.

Rain on my windshield klein

Rain on my windshield

 

Veröffentlicht unter Allgemein | Kommentar hinterlassen

Sonntagmorgen

Am Sonntagmorgen schellt kein Wecker
im Zimmer, bleibt es still
es wärmt der weiche Daunendecker
und duftet, nach Persill
Der Velux schweigt, kein Tropfen prasselt
es ruht, das schräge Dach
Rein gar nichts, was den Tag vermasselt
kein Job, kein Stress, kein Krach.
Kein Kinderschrei, kein Rasenmähen
Ich dreh mich nochmal um
und wackel sanft mit meinen Zehen
tidum, tidum, tidum
Mein Auge fällt aufs Morgengrauen
ich mach es wieder dicht
und kann der Welt in mir vertrauen
voll Blumen, Duft und Licht

Blumen am Hang

Blumen am Hang

Veröffentlicht unter Allgemein | Kommentar hinterlassen

Gedanken zu Deiner Beerdigung (für Matthias)

Der Regen ist am tristesten,
wenn er am Friedhof fällt
die Vögel, die dort nisteten
sind still, die Glocke schellt
es ziehn, die Hinterbliebenen
in einheitlichem Grau
bei Niesel, windgetriebenem
vorbei an Kind und Frau
an Gräbern, die vom Moos versteckt
an Steinen, kahl und alt
der Pastor hält den Text bedeckt
und allen hier ist kalt.
Man wartet, bis die Kiste sinkt
und manche Träne fällt
was, wenn`s schon durch den Mantel dringt
im Grunde nicht mehr zählt.
Asche zu Asche, Staub zu Staub
das Leben ist passé
und jeder möchte, mit Verlaub
nach drinnen, ins Café.
Man sieht die schwarze Horde drehn
der Kiesweg knirscht und malmt
und wo die vielen Füße gehn
da scheints, also ob es qualmt.
Der Trauerzug geht nass und klamm
und löst sich langsam auf
Ach Herrgott, nimm auch diesen Schwamm
in deinen Reihen auf.
Dort im Café, beschlägt das Glas
von diesem nassen Zug
man trinkt ein Bier und isst etwas
für heute wars genug.

Veröffentlicht unter Allgemein | Kommentar hinterlassen

Abenspaziergang an der Schelde

Am Abend ging ich an der Schelde entlang
unter Reihen von hohen Bäumen
die See war recht wild und hatte den Drang
am Ufer erheblich zu schäumen.
Die Lichtstrahlen fielen flach auf das Land
und die Schatten erreichten die Wellen
und bildeten Striche auf Deich und Sand
und der Grasnarbe ruppigen Dellen.
Ich stand mittendrin auf dem Fußgängerweg
und sah nach den länglichen Schatten
die wie Planken waren, auf einem Steg
oder Streifen auf Badematten.
Parallel zueinander, mal dick und mal dünn
je nachdem wie der Stamm geartet
ihr Muster war schön, doch ergab keinen Sinn
(das hat wohl auch niemand erwartet)
Doch der Zufall gepaart mit dem Sonnenlicht
macht das Schatten sich ordnen zum Raster
(nur bei Dunkelheit mustern die Bäume nicht
es bleibt schwarz auf Radweg und Pflaster)
Aber davon mal völlig abgesehen
war das Muster der langen Streifen
mir doch recht bekannt und beim Weitergehen
begann ich es zu begreifen.
Ich lief auf dem himmlischen Barcode daher
dass die Sonne den Klartext erfasse
das Abendrot fiel schon romantisch ins Meer
doch der Herrgott saß an der Kasse !
Er scannte den Preis mit dem Licht der Welt
und mit allen Extras in Petto
und nannte den Preis mir, in irdischem Geld
für das Leben in Brutto und Netto.
Der Preis war hoch und der Preis war heiß
und es schäumten noch stärker die Wellen
und in einer Welle rauschendem Weiß
sah ich einen Schellfisch schellen.
Der Schellfisch läutet zum Ladenschluss
das Schicksal fordert Tribut
und die Apokalypse sendet zum Gruß
einen im Wasser schwimmenden Hut.
Es ist Zeit zu zahlen, Zeit fürs Kassengeklingel
ich schmeiss einen Schein in die Wogen
und der Herr ist gelinde gesagt ein Schlingel
und hat mich grad schamlos betrogen.
Der Barcode verschwindet in finsterer Nacht
und ich meine, ein Kichern zu hören
ich hab keine Stablampe mitgebracht
und bin sauer, das kann ich beschwören.

Gelber Abend

Gelber Abend

 

 

Veröffentlicht unter Allgemein | Kommentar hinterlassen

Die Mutter der Physik

Das Licht ist unsichtbar, bis es auf etwas fällt
dann gibt es Gegenständen die Gestalt
so wird im Weltall mancher Stern erhellt
und auf der Erde wird es hell im dunklen Wald.
Ich sitz am Fenster, seh die Gänse zieh`n
und irgendwo weit weg am Horizont
die Wolkenmassen vor dem Sturmwind flieh´n
das hätten sie auch früher schon gekonnt.
Doch dann und wann reißen die Wolken auf
und es fällt Licht durch Löcher auf den Grund
es nimmt das himmlische Theater seinen Lauf
aus Nichts wird Form und aus dem Grau wird Bunt.
Und anders, als es das Gesetz verhieß
ist nun das Licht als Strahlenbündel gut zu sehn
es wandert über Baum und Haus und überdies
sieht man die welken Blätter wehn.
Es ist das wilde Stürmen der Natur
das Bühnenlicht für Dantes großes Stück
Die Wolkenwand dient ihm als Vorhang nur
und wirft den Lichterstrahl zurück.
Wir stehen staunend und mit offnem Mund
das Welttheater fesselt unsern Blick
es haben Formeln einen guten Grund
doch die Natur bleibt Mutter der Physik

Vor dem Sturm

Vor dem Sturm

 

Veröffentlicht unter Allgemein | Kommentar hinterlassen

Sternschnuppen

Am Tagesende, wird es häufig dunkel
dann bricht, vom Westen her, die Nacht herein
ist es am Himmel wolkenlos, gibt es Gefunkel
dann glänzen Große Gans und Wildes Schwein.
Es sind die schweinsgeborenen im Glück
in ihrem Zeichen finden sich die Trüffel
und jedes Jahr, dreht sich das Weltenall ein Stück
in Richtung Sternbild Wüster Büffel.
Schon Galilei schrieb in seiner Kammer
beim Blick auf kosmische Inkonsistenz
es ist das ganze Sternbild mir ein Jammer
Im Herbst, im Sommer und im Lenz.
Und erst im Winter, wenn der Marsmond friert
und sich an Jupiter die Zapfen bilden
dann rülpst der wilde Büffel völlig ungeniert
beim Sternbild der Kykladen, und beim Schwein, dem wilden.
Es dreht sich permanent die ganze Angelegenheit
und nicht nur das, das Weltall expandiert
indes erfüllt mich dies heut mit Gelassenheit
ich bin dank Ranga Yogeshwar schon bestens informiert
Nun ist es dunkel, und das Sternbild irrt
über dem Dach herum, ich brauch das nicht zu sehen
selbst wenn die Sonne grad ein neues All gebiert
ich werde heut nicht mehr nach draußen gehen.
Ich geh ins Bett und pupse in die Kissen
und lass den wilden Büffel Büffel sein
ich weiß schon so viel dummes Zeug, ich will`s nicht auch noch wissen
mir reicht, durchs Dachfenster, der Mondenschein.
Es ist der Mond, ein ziemlich großer Kiesel
und seine Hinterseite liegt in Dunkelheit
dahinter liegt das Sternbild „wirres Wiesel“
das ist im Grunde eher hoch als breit.
Da zieht noch ein Komet durch die Plejaden
und dessen Lichtschweif ist mir grad so piepegal
es kann ein guter, sternenloser Schlaf nicht schaden
mir sind die Schnuppen schnuppe, auf ein andermal.

Wellenbrecher_abends

Wellenbrecher am Abend

Veröffentlicht unter Allgemein | Kommentar hinterlassen

Arithmetische Algebraische Geometrie

Ich fand, ganz ehrlich, schon die Mengenlehre schwer
und hatte damals redlich meine Mühen
es war auch dies: es intressierte mich nicht sehr
und es gelang mir nicht, für Algebra zu glühen.
Ich tat mich schwer, mit Kurven und Parabeln
kapierte Cosinus und Tangenz nur bedingt
es lag Binomisches für mich im Reich der Fabeln
Mathematik macht dem nur Spaß, dem es gelingt.
Doch mir gelang es nicht, das – leider – gilt bis heute
ich tue mich mit Rechenarten schwer
glich bei Klausuren einer Kuh, die wiederkäute
denn, grad wie sie, schob ich die Rechnung hin und her.
Zwar kam ich praktisch immer auch zur Lösung
nur war die meistens grade nicht so wie gesucht
auch fiel ich in den Stunden meist in Dösung
das wurde, jahresendlich, schlecht verbucht.
Es ist der Weg rein philosophisch meist das Ziel
bei mir jedoch war auch der Weg bereits verknotet
ich weiß ich wusste damals wirklich nicht sehr viel
und wurde meistens dann auch maximal benotet.
Nun holt Herr Scholze ohne Mühen einen Preis
er rechnet arithmetisch algebraisch
und holt die Fields-Medaille weil er soviel weiß
ich bin dagegen ja beim Rechnen mehr archaisch.
Er hat Obskures schlicht in Abstraktion verwandelt
das ist gescheit, ich ziehe meinen Hut
ich hätte gern mit Mathe-Mäthchen angebandelt
doch selbst für diese Rechnung fehlte mir die Glut.
Ich gönne dem Herrn Scholze die Medaille
verbeuge mich vor ihm, parabelgleich
bleibe in Mathe aber weiter die Kanaille
und reche draußen welke Blätter um den Teich.

Gewürzregal_klein

Veröffentlicht unter Allgemein | Kommentar hinterlassen