Gedanken zu Deiner Beerdigung (für Matthias)

Der Regen ist am tristesten,
wenn er am Friedhof fällt
die Vögel, die dort nisteten
sind still, die Glocke schellt
es ziehn, die Hinterbliebenen
in einheitlichem Grau
bei Niesel, windgetriebenem
vorbei an Kind und Frau
an Gräbern, die vom Moos versteckt
an Steinen, kahl und alt
der Pastor hält den Text bedeckt
und allen hier ist kalt.
Man wartet, bis die Kiste sinkt
und manche Träne fällt
was, wenn`s schon durch den Mantel dringt
im Grunde nicht mehr zählt.
Asche zu Asche, Staub zu Staub
das Leben ist passé
und jeder möchte, mit Verlaub
nach drinnen, ins Café.
Man sieht die schwarze Horde drehn
der Kiesweg knirscht und malmt
und wo die vielen Füße gehn
da scheints, also ob es qualmt.
Der Trauerzug geht nass und klamm
und löst sich langsam auf
Ach Herrgott, nimm auch diesen Schwamm
in deinen Reihen auf.
Dort im Café, beschlägt das Glas
von diesem nassen Zug
man trinkt ein Bier und isst etwas
für heute wars genug.

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Abenspaziergang an der Schelde

Am Abend ging ich an der Schelde entlang
unter Reihen von hohen Bäumen
die See war recht wild und hatte den Drang
am Ufer erheblich zu schäumen.
Die Lichtstrahlen fielen flach auf das Land
und die Schatten erreichten die Wellen
und bildeten Striche auf Deich und Sand
und der Grasnarbe ruppigen Dellen.
Ich stand mittendrin auf dem Fußgängerweg
und sah nach den länglichen Schatten
die wie Planken waren, auf einem Steg
oder Streifen auf Badematten.
Parallel zueinander, mal dick und mal dünn
je nachdem wie der Stamm geartet
ihr Muster war schön, doch ergab keinen Sinn
(das hat wohl auch niemand erwartet)
Doch der Zufall gepaart mit dem Sonnenlicht
macht das Schatten sich ordnen zum Raster
(nur bei Dunkelheit mustern die Bäume nicht
es bleibt schwarz auf Radweg und Pflaster)
Aber davon mal völlig abgesehen
war das Muster der langen Streifen
mir doch recht bekannt und beim Weitergehen
begann ich es zu begreifen.
Ich lief auf dem himmlischen Barcode daher
dass die Sonne den Klartext erfasse
das Abendrot fiel schon romantisch ins Meer
doch der Herrgott saß an der Kasse !
Er scannte den Preis mit dem Licht der Welt
und mit allen Extras in Petto
und nannte den Preis mir, in irdischem Geld
für das Leben in Brutto und Netto.
Der Preis war hoch und der Preis war heiß
und es schäumten noch stärker die Wellen
und in einer Welle rauschendem Weiß
sah ich einen Schellfisch schellen.
Der Schellfisch läutet zum Ladenschluss
das Schicksal fordert Tribut
und die Apokalypse sendet zum Gruß
einen im Wasser schwimmenden Hut.
Es ist Zeit zu zahlen, Zeit fürs Kassengeklingel
ich schmeiss einen Schein in die Wogen
und der Herr ist gelinde gesagt ein Schlingel
und hat mich grad schamlos betrogen.
Der Barcode verschwindet in finsterer Nacht
und ich meine, ein Kichern zu hören
ich hab keine Stablampe mitgebracht
und bin sauer, das kann ich beschwören.

Gelber Abend

Gelber Abend

 

 

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Die Mutter der Physik

Das Licht ist unsichtbar, bis es auf etwas fällt
dann gibt es Gegenständen die Gestalt
so wird im Weltall mancher Stern erhellt
und auf der Erde wird es hell im dunklen Wald.
Ich sitz am Fenster, seh die Gänse zieh`n
und irgendwo weit weg am Horizont
die Wolkenmassen vor dem Sturmwind flieh´n
das hätten sie auch früher schon gekonnt.
Doch dann und wann reißen die Wolken auf
und es fällt Licht durch Löcher auf den Grund
es nimmt das himmlische Theater seinen Lauf
aus Nichts wird Form und aus dem Grau wird Bunt.
Und anders, als es das Gesetz verhieß
ist nun das Licht als Strahlenbündel gut zu sehn
es wandert über Baum und Haus und überdies
sieht man die welken Blätter wehn.
Es ist das wilde Stürmen der Natur
das Bühnenlicht für Dantes großes Stück
Die Wolkenwand dient ihm als Vorhang nur
und wirft den Lichterstrahl zurück.
Wir stehen staunend und mit offnem Mund
das Welttheater fesselt unsern Blick
es haben Formeln einen guten Grund
doch die Natur bleibt Mutter der Physik

Vor dem Sturm

Vor dem Sturm

 

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Sternschnuppen

Am Tagesende, wird es häufig dunkel
dann bricht, vom Westen her, die Nacht herein
ist es am Himmel wolkenlos, gibt es Gefunkel
dann glänzen Große Gans und Wildes Schwein.
Es sind die schweinsgeborenen im Glück
in ihrem Zeichen finden sich die Trüffel
und jedes Jahr, dreht sich das Weltenall ein Stück
in Richtung Sternbild Wüster Büffel.
Schon Galilei schrieb in seiner Kammer
beim Blick auf kosmische Inkonsistenz
es ist das ganze Sternbild mir ein Jammer
Im Herbst, im Sommer und im Lenz.
Und erst im Winter, wenn der Marsmond friert
und sich an Jupiter die Zapfen bilden
dann rülpst der wilde Büffel völlig ungeniert
beim Sternbild der Kykladen, und beim Schwein, dem wilden.
Es dreht sich permanent die ganze Angelegenheit
und nicht nur das, das Weltall expandiert
indes erfüllt mich dies heut mit Gelassenheit
ich bin dank Ranga Yogeshwar schon bestens informiert
Nun ist es dunkel, und das Sternbild irrt
über dem Dach herum, ich brauch das nicht zu sehen
selbst wenn die Sonne grad ein neues All gebiert
ich werde heut nicht mehr nach draußen gehen.
Ich geh ins Bett und pupse in die Kissen
und lass den wilden Büffel Büffel sein
ich weiß schon so viel dummes Zeug, ich will`s nicht auch noch wissen
mir reicht, durchs Dachfenster, der Mondenschein.
Es ist der Mond, ein ziemlich großer Kiesel
und seine Hinterseite liegt in Dunkelheit
dahinter liegt das Sternbild „wirres Wiesel“
das ist im Grunde eher hoch als breit.
Da zieht noch ein Komet durch die Plejaden
und dessen Lichtschweif ist mir grad so piepegal
es kann ein guter, sternenloser Schlaf nicht schaden
mir sind die Schnuppen schnuppe, auf ein andermal.

Wellenbrecher_abends

Wellenbrecher am Abend

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Arithmetische Algebraische Geometrie

Ich fand, ganz ehrlich, schon die Mengenlehre schwer
und hatte damals redlich meine Mühen
es war auch dies: es intressierte mich nicht sehr
und es gelang mir nicht, für Algebra zu glühen.
Ich tat mich schwer, mit Kurven und Parabeln
kapierte Cosinus und Tangenz nur bedingt
es lag Binomisches für mich im Reich der Fabeln
Mathematik macht dem nur Spaß, dem es gelingt.
Doch mir gelang es nicht, das – leider – gilt bis heute
ich tue mich mit Rechenarten schwer
glich bei Klausuren einer Kuh, die wiederkäute
denn, grad wie sie, schob ich die Rechnung hin und her.
Zwar kam ich praktisch immer auch zur Lösung
nur war die meistens grade nicht so wie gesucht
auch fiel ich in den Stunden meist in Dösung
das wurde, jahresendlich, schlecht verbucht.
Es ist der Weg rein philosophisch meist das Ziel
bei mir jedoch war auch der Weg bereits verknotet
ich weiß ich wusste damals wirklich nicht sehr viel
und wurde meistens dann auch maximal benotet.
Nun holt Herr Scholze ohne Mühen einen Preis
er rechnet arithmetisch algebraisch
und holt die Fields-Medaille weil er soviel weiß
ich bin dagegen ja beim Rechnen mehr archaisch.
Er hat Obskures schlicht in Abstraktion verwandelt
das ist gescheit, ich ziehe meinen Hut
ich hätte gern mit Mathe-Mäthchen angebandelt
doch selbst für diese Rechnung fehlte mir die Glut.
Ich gönne dem Herrn Scholze die Medaille
verbeuge mich vor ihm, parabelgleich
bleibe in Mathe aber weiter die Kanaille
und reche draußen welke Blätter um den Teich.

Gewürzregal_klein

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Kaputtes i

Auf meiner Schreibmaschine ist das i kaputt
das ist nicht schön.
Mit Schreibmaschine meine ich natürlich den Comput
ter, einen acer, von zweitausendzehn.
Das i lässt sich noch stets nach unten drücken
doch nix passiert
auch nach der Reinigung, wollte das i nicht glücken
so sehr man es denn auch per Fingerdruck pressiert.
Ich hätte mich über das e viel weniger gewundert
das braucht man mehr.
es scheint mir der Defekt des i daher nicht recht begrundert
und wenn man es nicht hat, dann fehlt das i schon sehr.
Es kommt ja schließlich in ganz vielen Worten vor
zum Beispiel „Bier“
das schreibt man öfter, als zum Beispiel das Wort Chlor
und auch das Ypsilon ist als Ersatz nur wenig hilfreich hier.
Wer scheibt schon Syttych, Byer oder Ytalyen
das macht man nicht.
denn später dann, beim Lesen, da erzeugt dies Qualien
da liest man maximal 3 Zeilen, dann ist Schicht.
Ich habe den Computer umgedreht und dann geklopft
so 3, 4 mal.
vielleicht, so dachte ich, ist ja die Rille rundherum verstopft
das liest man so im Internet, ja, das passiert schon mal.
Doch in der Rille war kaum Staub, nur eine Mückenleiche
die fiel heraus.
ich hatte echte Hoffnung, dass ich so erneut Funktion erreiche
doch auch die tote Mücke machte meinem i nichts aus.
Das i befindet sich auf meinen Tasten zwischen u und o
das fällt kaum auf
das stehen einfach 3 Vokale und das macht mich seltsam froh
die lesen oiu runter sich und uio wieder rauf.
Wenn man die ganze Zeile sich beschaut, kann man zuiopü lesen
das find ich krass
wo bin ich nur in all der Zeit mit meiner Wahrnehmung gewesen
da stehen, einfach so, die dollsten Dinger und man fragt sich: wie erklärt sich das ?
Es fällt nur auf, wenn von den Tasten eine nicht mehr geht
dann guckt man hin.
weshalb man dann -und rein zufällig- viel mehr von der Tastatur versteht
und manches, von der Ordnung all der Typen, macht dann auch mehr Sinn.
Ich hab das i am Ende wieder repariert
mit einem Trick.
und kann dies alles schreiben, weil mein System, auch in mir drin, nun wieder funktioniert
allein, mir fehlt das wieder wachgeküßte i, es lag in dem Defekt, denn auch, ein Stückchen Glück.

Wellenbrecher_Meilenstein

Pfähle und Meilenstein

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Monopoly

Ich darf nicht über Los
was mach ich bloß ?
ich wollte doch so gerne
und nun ? In weiter Ferne
der Schritt
und Tritt.

Es würd mir was bedeuten
das Überschreiten !
Man trifft auf neue Wege
auf grade, oder schräge
auf dies
und das*.

Nun muss ich mich bedenken
den Schritt beschränken.
Ich hätt ihn unternommen
unvor-, voreingenommen
nun schlicht,
nicht.

Es ist das Los der Grenze
sie gilt in Gänze
des Limes Fakt
est alia act.
im Gang,
im Lauf,
der Dinge.

Dort vorne liegt mein Los
doch ich entschloss
zu weichen
hinfortzuschleichen
zu gehen
auf Zehen.

(Doch nicht freiwillig
das wär zu billig
ich war wohl, in Bedrängnis
nun muss ich ins Gefängnis)

* hätte hier, wegen "über Los gehen", natürlich auch Kies heißen können.
Ich habe mich indessen für einen literarischen Trugschluss entschieden :-)  

Tryptychon_WB_2016

 

 

 

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