Flache Hügel

In Holland sind die Hügel flach
das ist ja auch kein Wunder
von weit schon, sieht man Haus und Dach
das Land gleicht einer Flunder
Nicht grundlos heißt es „Niederland
das sorgt für weite Sichten
denn karg ist auch der Baumbestand
von Eichen, Föhr- und Fichten.
Nur Pappeln stör`n am Feldesrand
den Schweif der Sicht erheblich
doch Hügel sucht – im ganzen Land
man sinnfrei und vergeblich.

In Holland sind die Hügel flach
das Skifahrn wird verhindert
im Winter frieren Strom und Bach
dann wird, statt des`, geschlindert.
Man schlindert die 11 Städte-Tour
und duckt sich unter Brücken
wer gerne rodelt, dem bleibt nur
sich südwärts zu verdrücken.
Den höchsten Berg im Niederland
nennt man dort einen Deich
er ist aus Stein nicht, ist aus Sand
und auf dem Gipfel: weich.
Da steht nicht Alm, nicht Gipfelkreuz
da stehen Fahrradständer
es dient dem Anstieg, beiderseits
ein rostiges Geländer
Wer je den Deich bestiegen hat
der fand nicht Eis noch Gletscher
der fand die See samt Strand und Watt
und wogendes Geplätscher.

In Holland sind die Hügel flach
und schwach ist nur die Neigung
und niemand rühmt sich, auf dem Dach
der schweren Erstbesteigung.
Drum suchst Du Gipfel, Schlucht und Klamm
bist Du schlecht aufgehoben
das Land ist platt, bis auf den Damm
und nirgends, geht`s nach oben.

Flache Hügel / http://www.kunstblaetter.de
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Linksdrehende schwarze Löcher

Der Weltraum entstand, durch einen einzigen Knall
(der hatte es ziemlich in sich)
schoss Energie durch das ganze All
ohne Anlass, also quasi intrinsisch.
Da flogen Ionen, Protonen und Co.
ballten sich zu Planeten und Sternen
die düsen noch immer inkognito –
irgendwo, meist in weiten Fernen.
Genauso wie Yoghurts und Ayran und Quarks
das sind ziemlich krude Gesellen
die suchen die Freiheit auf den Spuren Jeanne d`Arcs
an interstellaren Quellen
Da kommt nur die Enterprise manchmal längs
und dann winken Scotty und Spock
denn sie wissen, da brüten die Aliens
im thermodynamischen Smog.
Aber irgendwo, ganz allein im All
da dreht sich die blaue Murmel
Mit einem Mond, dem halbschattigen Ball
und Aliens namens Urmel.
Rotierende Ströme in Tiefen und Wüste
energiereiche schwarze Löcher
das Bermuda Dreieck, Pandorras Kiste
und der Strudel im Schierlingsbecher.
Phänomene, die bislang stets noch unerhellt
und durch Wissenschaft unergründet
– warum Toast auf die Seite mit der Butter fällt
– und stets nur eine Socke verschwindet.
Aber auch die Tatsache, dass sich das Licht
aus verschiedenen künstlichen Quellen
in Spiegeln spiegelt oder sogar bricht
um den Raum, noch mehr zu erhellen.
Aber ist das wahr, multipliziert sich die Kraft
der Helligkeit durch Wiederholung
oder bleib der Lux, wie die Lampe ihn schafft
rein Netto nur Kraft seiner Polung ?
Wird das Licht etwa lichter, durch Spiegelung
oder ist das nur optische Täuschung
bliebe es dunkler, bei Lichtbrechversiegelung
oder leiser ohne Echogeräuschung ?
Das versteht sicher nur ein Männchen vom Mars
die sind technisch ja deutlich weiter
und das Neongefunzel in nächtlichen Bars
macht mich leider nicht heller, nur beiter.
Ich fragte Herrn G., einen Ingenieur
was die Spieglung des Lichts erreiche
der sagte nur: ach, das ist alles nicht schwer
im Grunde bleibt es immer das Gleiche.
Ob Lux oder Lumen, Candela und Watt
gespiegelt sind wir selbst nur Chimäre
das gespiegelte Essen, macht dich nicht satt
alles gleich, wenn`s auch gern anders wäre.
Und dann noch zurück, zu den gurgelnden Strudeln
in denen die Welt verschwindet
den schwarzen Löchern, den brennenden Pudeln
und Zyklopen, die Odysseus erblindet
Die drehen sich um das eigene Nichts
weil ja doch alles in sich selbst verschwindet
und der Schatten des Strudels, wegen seines Gewichts
wurde schon durch Carnot verkündet.
Der keineswegs Geist nur der stets verneint
in den thermodynamischen Wehen
sondern ahnend, dass alles, so wie es scheint
auch wert ist zugrunde zu gehen
Alles strömt darum zentrisch zum Mittelpunkt
der Erde, wo Glutherde glimmen
noch ein letztes Mal wird SOS gefunkt
und dann, verstummen die Stimmen.
Und im letzten linksdrehenden schwarzen Loch
verschwinden auch diese Zeilen
ein letztes Mal zeigt sich der Strudel mir noch
um dann, gurgelnd, zu enteilen.

Lange Reihe von Wellenbrechern / www.kunstblaetter.de
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Durch die Sonne vereitelter Brief an M.

Die Sonne scheint mir ins Gesicht

ich schreibe, doch ich seh es nicht

ich höre meine Finger nur

die klappern, auf der Tastatur

Die Finger kreisen, schön, elliptisch

doch was sie schreiben? Fremd, und kryptisch…

Des Schreibers Ziele sind empathisch

der Text indes, bleibt enigmatisch.

Die Augen tränen von den Lux

arg luminös ist diese Krux

denn dreht man sich, von hint, nach vor

so reflektiert`s vom Monitor.

Wie ich`s auch wende oder dreh

die Blendung macht das Schreiben zäh

der Brief bleibt inhaltlich zurücks

das Licht, bleibt Kernpunkt dieses Stücks.

Drum wende ich mich tränenfeucht

vom Bildschirm fort, dieweil mir deucht

so wird nichts aus dem Almanach

ich klappe den Computer flach

Und schreibe später Dir erneut

vielleicht ja, wenn es draußen, schneut.

Weltzeit II / www.kunstblaetter.de
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Schnee im Flachland

Wenn Winter ist, fällt manchmal Schnee
der rieselt durch die Bäume
er legt sich auf das BOELS-WC
und füllt die Zwischenräume
von Auto, Haus und Lattenzaun
von Bordstein und Garage
das ist romantisch anzuschaun
denn warm, ist die Etage.
Die Welt wird weiß und leuchtet grell
es glitzern alle Flocken
der Katze wächst ein Winterfell
der Mensch braucht dicke Socken
Die Kinder wollen Schlitten fahr`n
der Papa sucht im Keller
das Flachland ist an Hügeln arm
und auch der Tau ist schneller.
Doch schon nach einer kurzen Zeit
gerinnt der Schnee zur Brühe
Ein brauner Klumpatsch macht sich breit
das Laufen macht nun Mühe
denn weil es taut und weil es trauft
spritzt Matsche auf die Schuhe
der Halbschuh, den man jüngst gekauft
ist klar, zur letzten Ruhe.
Nur eines ist noch gut vesteckt
das sind die Hundehaufen
was man zu Hause erst entdeckt
beim über´n Teppich laufen
Der Schnee sieht so romantisch aus
am Berg und in der Schonung
Bei uns führt er zu Autostaus
und Flecken in der Wohnung
Drum Schnee, fall auf den Höhenzug
auf Deiche, Berge, Hügel
dort nimmt man, wenn es kalt genug
die Anoraks vom Bügel
und rutscht vom Hang samt Frau und Kind
man lässt den Zauber leben
von dem, was hier im Rinnstein rinnt
muss ich mich übergeben

„Verdronken land van Safthinghe“ / www.kunstblaetter.de
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Weihnachten 2020

Der Baum steht einsam dort im Zimmer
man nimmt das Funzellicht der LED`s kaum wahr
das waren früher, Kerzen, immer
bis zu dem Zimmerbrand im letzten Jahr.
Da fing das Baumharz plötzlich Feuer
es schmolzen Christbaumkugel und Konfekt
der Eimer Wasser, er verpuffte am Gemäuer
der alte Feuerlöscher war defekt.
Am Ende ist dann auch die Feuerwehr gekommen
da hat das Sofa noch ein letztes Mal gezischt
es waren einige vom Rauch benommen
und Opa hat es dann final erwischt.
Doch muss man sagen, unterm Strich war Action
die Großfamilie hatte ihren Spaß
zwar kohlten die Geschenke in den Päckchen
doch war´s ein Fest, dass keiner mehr vergaß.
Da haben 20 Mann gesoffen und gejohlt
und durch den abgebrannten Dachstuhl rausgebrüllt
der Baum, war zur Unkenntlichkeit verkohlt
doch jedes Herz, von Weihnachten erfüllt !
Nun steht der Baum dort einsam, schwach beleuchtet
keine Gefahr, dass er noch einmal brennt
selbst völlig trocken, unbefeuchtet
fehlt einer LED des Feuers Temprament.
Und weiter fehlen auch die Gäste
die um den Baum sich scher`n bei diesem Fest
Denn es ist Krise und es ist das Beste
wenn man das Feiern besser lässt.
Wenn man zuhause bleibt, im kleinen Kreise
und keine Lieder singt, mit großer Zahl
der Baum bleibt dunkel, es bleibt leise
und unterm Mundschutz murmelt man „es war einmal“
Denn der ist Pflicht, auch bei der Suppe
die Aerosole kennen keinen Spaß
Mehr als 2 Mann sind bei Corona eine Gruppe
wie man im Bundespresseamt verlas.
Drum wird der Glühwein mit dem Strohhalm eingesogen
man sitzt im kleinen Kreis bei Wurst und Krautsalat
die Abendmette hatte man erwogen
doch es herrscht Ausgangssperre in der Stadt.
So ist man ganz auf sich gestellt am Heiligabend
und traurig ist die Aussicht auf den Baum
ja selbst der Holzwurm, in der Fichte schabend
kaut freudlos hinter seinem Mundschutzsaum.
Die Spitze eines Baumes nennt man Krone
„Coronam“ lautet diese auf Latein
das fiel, wie boshaft und dem Mensch zum Hohne
wohl dem verfluchten kleinen Covid-Igel ein.
Nun ist es in der Christnacht zappenduster
man denkt voll Wehmut nochmal an das letzte Fest
dann holt der Vater Terpentin als Booster
Corona brennt, quod iustum est*
Dann folgt noch Saufen, Toben, Fluchen und Beschimpfung
und dann der Aufschrei „nächstes Mal die AFD“
nur mit der Ruhe, bald schon kommt die Impfung !
dann ist das ganze Elend kurzerhand passé.
Die Welt bricht auf, es folgen gold`ne Zeiten
die Wirtschaft brummt und jeder ist gesund
man spricht nicht mehr von all den Pleiten
den letzten beißt halt leider stets, der Hund…
Doch aufgepasst, wir sind noch nicht am Ende
denn so ein Virus kann ja wieselflink mutier`n
dann hüpft die neue Abart durch`s Gelände
um uns, trotz trügerischer Sicherheit, zu infizier`n
Wenn dieses Weihnachtsfest nun schon verhunzt und blöd ist
so bleibt ein letzter frommer Wunsch der Christenheit
„Herr, schick Corona schleunigst in die Ödnis“
und wenn das Biest schon rund ist, mach uns breit.
(lat.: so ist es recht)

I am / Stillleben mit Weinflasche http://www.kunstblaetter.de
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Morgenlurch

Der Morgenlurch sitzt, am Rand des Gewässers, und singt
er singt, seine alten Lieder
und der Nebel, der über die Teichblumen dringt
macht Rheuma in seine Glieder.
Er singt von der Schönheit der Loreley, ihrem Haar
und streicht seine Harfe dabei
und wäre so gern mit der Schönen ein Paar
dass der Nachwuchs ein Wunderlurch sei.
Doch die Loreley ist ein Fabelkind,
sie entsprang Heinrich Heines Liedern
und weil Fabeln nun einmal fabelhaft sind
träumt er sinnlos von ihren Miedern
Und er kann auch nicht singen, das ist grad so verrückt
weil ansich das Amphibium schweigt
und so hat uns die erste Zeile entrückt
grade so, als wenn der Grottenolm geigt.
Die Tierwelt, ganz sicher die amphibieske
ist nicht, wie Disney sie möchte
und singende Lurche sind eine Groteske
und zwar eine ziemlich schlechte.
Was denn noch, wenn ich bitte mal fragen darf
so am frühen, am ganz frühen Morgen
Vielleicht Jolly the Jumbuck, das steppende Schaf
ja habt ihr noch andere Sorgen ?
Und Morgendunst, Tau und die holde Romantik
gehen mir heut massiv auf den Senkel
Metaphern, Parabeln, die ganze Semantik
liegen bleischwer auf meinem Schenkel.
Der Lurch und der Olm und der Salamander
die hocken nur dumpf in der Böschung
und jagen Insekten und sich untereinander
als Nahrung und als Erfröschung.
Und Novalis, Claudius, Hölderlin, Fichte
mit ihren schmachtenden Kühen
die brauchen sich, grade in diesem Lichte
bei mir heute nicht zu bemühen.
Ich lasse den Lurch, was dem Lurchen ist
und ganz Wurscht sind mir Molche und Frösche
und das Reh, das im Wald in die Furchen pisst
treib ich auch zurück in die Bösche.
Ich will meine Ruhe, selbst die Kommodo-Echse
wär mir heut keine Zeile wert
gehe hoch in mein Studio und schmiere und kleckse
ein Lurch nur, wer sich nicht wehrt. (Une embardée qui mal y pense)

Morgenlicht
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Generatio Spontanea (an einem warmen Wintertag)

An warmen Tagen ist die Wohnung voller Fliegen
die kommen aus dem Nichts und sind dann einfach hier
sie sitzen überall und sind nicht zu besiegen
für jede totgeschlag`ne kommt ein neues Tier
Sie sitzen am Computer auf den Tasten
sie hocken auf den Krümeln hier am Platz
am Kühlschrank und -ganz klar- am Pilsbierkasten
und auf dem Küchenhandtuchrandbesatz
Sie summen und sie fliegen durch das Zimmer
landen im schlimmsten Fall auf meiner Haut
mit jedem Mal verscheuchen wird es schlimmer
sie sind Legion. Mir graut.
Ich würde gern schlagen, doch des Buddhas Augen
die schau`n genau, was ich im Leben tu
will ich mir Karma sammeln sollte ich was taugen
und tote Fliegen, die gehören nicht dazu.
Zumal, wie schon gesagt, für jede Fliege
kommen sofort zwei völlig neue auf den Plan
wo nur, um alles in der Welt steht ihre Wiege
was habe ich, der Welt, nur angetan ?
Es schickt uns die Natur so manche Plage
mal ist es Dürre, mal vom Heu der Schreck
ich bin genervt und nicht mehr Herr der Lage
die vielen Fliegen müssen weg.
Ich kann das Kribbeln nicht mehr lang ertragen
ist dies wohl eine Prüfung unsres Herrn?
wie lange muss ich kratzen ohne Klagen
ist die Apokalypse nicht mehr fern?
Der Leeuwenhoek, der kannte das Geschehen
und folgte wissenschaftlich diesem Fall
das Leben könne wohl spontan entstehen
und käme aus dem Nichts, wie bei dem ersten Knall.
Der Hauch des Lebens blies an jedem Orte
und küsste so die Fliegen einfach wach
nur nicht, in einer Schwanenhalsretorte
doch sonst, omnipräsent, an Feld und Bach.
Ich lass die Fliegenklatsche in der Lade
ich lasse das Insektenspray im Schrank
ich hoffe auf des Buddhas große Gnade
und sorge hier für weniger Gestank.
Vielleicht muss ich den Müllsack öfter tauschen
vielleicht steckt ja die Lösung im Verfall
ich werde meiner inn´ren Stimme lauschen
im Jetzt, im Hier, im Zimmer und im All.
Leben entsteht spontan und wird auch wieder gehen
es tickt der Eintagsfliege inn´re Uhr
alles was wird, wird mit dem Wind verwehen
und von Herrn Leeuwenhoek bleibt keine Spur

Der Buddha auf meinem Kaminsims
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Gewitterwarnung

Vom Norden her ziehts dunkel auf
das ist wohl ein Gewitter
da nimmt das Unheil seinen Lauf
und hämisch lacht der Schnitter.
Denn irgendwo, da schlägt es ein
da sträuben sich die Haare
da rülpst und furzt ein Frankenstein
und wackeln die Altare.
Da brennt der Dachstuhl, reißt das Glas
da platzen schon die Röhren
da flitzt das Monster schon durchs Gras
und heulen alle Gören.
Es kriechen Hunde unter´n Stuhl
und Papa löscht die Lichter
die Luft wird dunkel, feucht und kuhl
und blass sind die Gesichter.
Schon zuckt der erste Blitz herab
und spaltet ein paar Eichen
es öffnet sich des Monsters Grab
es glühen ein paar Leichen.
Ich schaue ziemlich ungerührt
nach draußen, auf das Blitzen
wenn alles dies ins Unheil führt
dann bleib ich doch hier sitzen
Und trink ein Bier, vielleicht auch zwei
mit Frankensteins Geschöpfen
mir geht der Sturm am Arsch vorbei
Gepriesen sei der Höpfen.

Die Hoffnung 2
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Irgendwo mäht immer einer

Das, was die Menschen hier im Ort am meisten lieben
ist tiefe Ruhe, die zur Einsamkeit gehört
ich bin deshalb ja damals auch geblieben
ohne den Lärm, der mich beim Dösen stört
Hier gibt es keine Staus, kein Hupen, kein Gebrülle
hier gibt`s nicht Straßenbahn, nicht Fluglärm; nicht Motor
kein Bagger, keine Menschen – nur beredte Stille
und kaum mehr hörbar rauscht der Tinitus im Ohr
Dort Vögel, die ein Liebesliedchen pfeifen
ein Pferd, das schnaubt im feuchten Tau
die Maus, die quietscht, wenn sie die Katzen greifen
das Grunzen einer grundzufriednen Sau
Nichts weiter, nur ein Trekker, hin und wieder
der Bauer holt die Möhren aus dem Feld
der Wildgans zartes Rascheln im Gefieder
ohne Crescendo dreht sich diese Welt.
Bis irgendwo sich Schuppentüren weiten
in deren Licht ein kleiner Mann im Overall erscheint
um dann – voll Energie – das Chaos einzuleiten
Idyll ist viel fragiler, als es scheint.
Nach einigen beherzt gekonnten Zügen
an eines Mähers ausgefranstem Starterseil
wird dessen Brüllen über Rast und Ruhe siegen
nur in gepflegtem Rasen liegt des Gärtners Heil.
Und stundenlang wird der den Mäher schieben
nieder und auf, der Topos ist verzwickt
ist auch das Rad vom Motor angetrieben
erst eines Gärtners kluger Plan sorgt, dass es glückt.
Ein Ast zerbirst mir fürchterlichem Krachen
es wird mit Regelmaß der Grasfangkorb geleert
wer gern schlafen wollte, lernt zu wachen
und konzentrierte Arbeit wird erschwert.
Denn asymmetrisch ist des Mähwerks Röhren
sein Heulen schwillt stets ab und wieder an
und jeden klaren Geist kann dieser Lärm zerstören
weil niemand mehr an etwas and`res denken kann.
Und darum tut man nun, was man tun musste
und holt selbst seinen Mäher aus dem Stall
gut, dass man dessen Kerze just entrusste
dass nun der Motor zünden kann in jedem Fall.
Von überall ertönt nun Röhren, Kreischen, Knattern
und Luzifer verscheucht den Beelzebub
ohrenbetäubend ist der Lärm hinter den Gattern
und zwischen Not und Glück schwankt jeden Rasenmähers Schub
Stets weiter geht es, bis der letzte Halm gemäht ist
wenn es die Hölle gibt, so heißt sie Dezibél
es soll der Bauer ernten, was gesät ist
und Moritz Schrebers Wunsch, ist uns Befehl.
Es ist vollbracht, die Gärten sind geschoren
und Ruhe legt sich wieder auf den Ort
ein jeder atmet auf, wie neugeboren
man bringt den letzten Grünschnitt Richtung Kompost fort
doch irgendwo, da mäht noch einer, immer
da sprießt noch irgendwas am Wegesrand
da holt der Mann im Overall den Trimmer
und dessen heiseres Gekreisch, bringt mich, um den Verstand
Was alle Menschen hier im Ort am meisten lieben
das ist die Stille, wie im Kreuzgang, beim Gebet
doch hat mir Goethe schon ins Poesie-Album geschrieben
irgendwo ist immer jemand, der grad mäht.

Weites Mohnfeld / http://www.kunstblaetter.de

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Weiße Riesen

Die Mühlen mahlen sirrend Luft
und ihrer Flügel lange Schatten
streifen die Kronen
alter Bäume
wandern in Wellen über Feld und Gras
und recken sich zum Horizont
wo wogend sie
im Weizen sich verlieren.
Hier knirscht kein Vierkant mehr und treibt den Stein
hier gibt es keinen Staub und keinen Müller
hier gibt es keinen Unterlass
kein Schweigen
keine Pause
und auch kein Maultier, das die Säcke trägt.

Und doch bewegt sich dort,
noch in der Ferne
ganz ohne Hast, ein grauer Esel
vor dem Deich
und folgt in Stolperschritten
Don Quixotes Pferd
das, schnaubend, bei ihm trabt.
Und noch sieht dessen Reiter ruhig zu
wie sich die Mühlenflügel unverdrossen drehen
und Schatten werfen
auf die Kronen alter Bäume
auf Feld und Gras
und auf die Ähren, die sich beugen.

Er folgt dem unaufhörlich riesenhaften Schattenspiel
dass sich im wechselhaften Licht
ins Land erstreckt
mit seinem Blick
mit seinem Sinn
und seinem Tritt
und noch ist fraglich,
ob die Würfel fallen.
Doch gleich schon wird er seine Lanze greifen
und auf den Feind sich stürzen
mit Gebrüll
in dessen rasend schnellen Armen
sich verfangen
und stürzen; wie einst Ikarus
blind von der Eitelkeit
des Menschen Übermacht.

Dann liegt er ausgestreckt, in seiner Rüstung
vor dem Feind
während sein Diener noch in wilder Panik
zu ihm hastet
und Rosinante, dieser abgezehrte Gaul
voll Seelenruhe in der Wiese grast
und voller Gleichmut nach den Flügeln schaut
die unablässig weiter drehen
und Schatten werfen
auf die Kronen alter Bäume
auf Feld und Acker
und die Gräser, die im Luftzug tanzen.
Die Mühle schreibt ihr Lied
mit immer gleicher Schnelligkeit ins Licht
und fauchend ist ihr langer Flügelschlag.
An ihrem schlanken Fuß
sitzt Sancho Pansa neben seinem Herrn
und sucht, mit seinem Blick
den Horizont.


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